{"id":2855,"date":"2019-12-12T18:22:36","date_gmt":"2019-12-12T18:22:36","guid":{"rendered":"https:\/\/fedaian-minority.org\/?p=2855"},"modified":"2021-03-11T11:43:32","modified_gmt":"2021-03-11T11:43:32","slug":"der-aufstand-von-november-2019-ein-ruckblick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fedaian-minority.org\/index.php\/2019\/12\/12\/der-aufstand-von-november-2019-ein-ruckblick\/","title":{"rendered":"Der Aufstand von November 2019, ein R\u00fcckblick"},"content":{"rendered":"<div style='padding-bottom:10px; font-size:35px;' class='av-special-heading av-special-heading-h2  blockquote modern-quote modern-centered  avia-builder-el-0  el_before_av_textblock  avia-builder-el-first   av-inherit-size '><h2 class='av-special-heading-tag '  itemprop=\"headline\"  >Der Aufstand von November 2019, ein R\u00fcckblick <\/h2><div class='special-heading-border'><div class='special-heading-inner-border' ><\/div><\/div><\/div>\n<section class=\"av_textblock_section \"  itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/BlogPosting\" itemprop=\"blogPost\" ><div class='avia_textblock  '   itemprop=\"text\" ><p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2858\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/fedaian-minority.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/protests_aban98.jpg?resize=300%2C200&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/fedaian-minority.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/protests_aban98.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/fedaian-minority.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/protests_aban98.jpg?resize=1030%2C686&amp;ssl=1 1030w, https:\/\/i0.wp.com\/fedaian-minority.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/protests_aban98.jpg?resize=768%2C511&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/fedaian-minority.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/protests_aban98.jpg?resize=705%2C469&amp;ssl=1 705w, https:\/\/i0.wp.com\/fedaian-minority.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/protests_aban98.jpg?resize=450%2C300&amp;ssl=1 450w, https:\/\/i0.wp.com\/fedaian-minority.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/protests_aban98.jpg?w=1368&amp;ssl=1 1368w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Seit Jahren befindet sich die iranische Gesellschaft in einem explosiven Zustand. Die schweren und unertr\u00e4glichen wirtschaftlichen Bedingungen, steigende und unaufhaltsame Inflation, weit verbreitete Arbeitslosigkeit, zunehmende Probleme des Lebensunterhalts, Armut, Elend und Hunger, betreffen die Mehrheit der hart arbeitenden Menschen. Diese Umst\u00e4nde sind einfach nicht zu ertragen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Millionen Arbeiter*Innen und Werkt\u00e4tigen sowie arbeitslose Jugendliche in Armut und Hunger getrieben werden, wird\u00a0 eine Minderheit von Schmarotzern immer reicher und steigert ihr Verm\u00f6gen, bewohnt luxuri\u00f6se Pal\u00e4ste und lebt im grenzenlosen Luxus. Der gesamte Staatsapparat ist korrupt. Tagt\u00e4glich verschwinden Milliarden US Dollar, die durch die harte Arbeit der iranischen Arbeiter*Innen erwirtschaftet worden sind.<\/p>\n<p>Milliarden Dollar werden in Libanon, Irak, Jemen und Syrien f\u00fcr islamistische, schiitische Gruppen und \/ oder religi\u00f6se Einrichtungen und f\u00fcr die Verbreitung von religi\u00f6sen Aberglauben verschwendet.<\/p>\n<p>Das Leid der Menschen ist so gro\u00df, dass es keinen Zweifel an der Notwendigkeit des Sturzes dieses Regimes gibt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen ist die politische Situation schwieriger und die Repression versch\u00e4rft worden. Arbeiter*Innen, Lehrende, Studierende, Frauen, Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Sozial- und Umwelt-AktivistInnen usw. werden wegen jeglicher Aktivit\u00e4t und Protestes verfolgt, festgenommen, inhaftiert, gefoltert und zu langen Haftstrafen verurteilt.<\/p>\n<p>Der Widerspruch zwischen der herrschenden Klasse und dem sie vertretenden politischen Regime und Arbeiter*Innen und Werkt\u00e4tigen hat sich derart versch\u00e4rft, dass jedes Ereignis, klein oder gro\u00df, zu einer Explosion f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>Die November-Proteste waren der Ausdruck vom aufgestauten Zorn und Unzufriedenheit, die lange verborgen waren. Deshalb entwickelten sie sich prompt zu Protesten gegen alle F\u00fchrer des Regimes und die gesamte bestehende Ordnung.<\/p>\n<p>Die Verdreifachung des Benzinpreises in der Nacht vom 15. November 2019 l\u00f6ste am Freitagmorgen sofort eine Protestwelle aus, die sich im ganzen Land ausgebreitet hat. Die Massen wussten aus Erfahrung, dass es dadurch alle anderen Preise steigen werden.<\/p>\n<p>Die iranische Gesellschaft befindet sich in einer revolution\u00e4ren Epoche. Nach der Protestbewegung von Januar 2018 kam es zu Streiks und umfassenden Protesten, wie Demonstrationen und Kundgebungen, durch die Arbeiter*Innen von Haft Tapeh[1] und Foulad Ahwaz [2]. Im laufenden Jahr gab es au\u00dferdem gro\u00dfe Streiks und Proteste von Arbeiter*Innen von HEPCO[3] und AzarAb [4].<\/p>\n<p>Der Aufstand von November ist zwar die Fortsetzung der bisherigen Proteste, weist jedoch besondere Merkmale auf, die sie von den bisherigen Aufst\u00e4nde unterscheidet.<\/p>\n<p>Eine wichtige Gemeinsamkeit der Proteste von Januar 2018 und November 2019 ist ihre v\u00f6llige Unabh\u00e4ngigkeit von den Fraktionen der Regierenden.<\/p>\n<p>Beide Protestbewegungen umfassten unmittelbar das ganze Land. Sie richteten sich gegen die F\u00fchrer des Regimes, gegen Khamenei und Rouhani und gegen das gesamte diktatorische Regime. Dadurch entwickelten sie sich unmittelbar zu einem direkten und umfassenden politischen Kampf.<\/p>\n<p>Eine weitere Gemeinsamkeit dieser Aufst\u00e4nde ist ihre Klassenzusammensetzung und die Forderungen der Protestierenden.<\/p>\n<p>St\u00e4dtische Werkt\u00e4tigen, Jugendliche, Arbeitslose und Arbeitssuchende, Frauen, Arbeiter*Innen, Arme und am Stadtrand lebende Werkt\u00e4tigen waren die dominierenden Kr\u00e4fte dieser Aufst\u00e4nde, die f\u00fcr Arbeit, Brot und Freiheit aufgestanden sind. Die Unterschicht und Mittelschicht war deutlicher pr\u00e4senter als im Januar 2018. Das ist ein Zeichen daf\u00fcr, dass unter dem Druck der wirtschaftlichen Lage und durch die Politik des Regimes immer mehr Menschen in Armut und Elend getrieben werden.<\/p>\n<p>Die Besonderheiten der November &#8211; Protestbewegung sind u. a.:<\/p>\n<p>Die November-Proteste waren wesentlich gr\u00f6\u00dfer. Es nahmen viel mehr Menschen daran teil als 2018. Die Proteste fanden in mehr als 100 St\u00e4dten und in 22 Provinzen statt und umfasste auch Teheran. Es kamen einige St\u00e4dte dazu, die 2018 nicht dabei waren.<\/p>\n<p>Die Proteste fanden diesmal au\u00dferdem in mehreren Stadtteilen statt. Auf zahlreichen Autobahnen und Stra\u00dfen stoppten die Menschen ihre Autos und f\u00fchrten gro\u00dfe Blockaden herbei. Diese Taktik der Dezentralisierung der Proteste st\u00e4rkte die Protestbewegung und erschwerte die Mobilit\u00e4t und Kontrollf\u00e4higkeit der Repressionsorgane.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend 2018 die Proteste haupts\u00e4chlich nachts stattfanden, um auch die Erkennung der Protestierenden zu erschweren, fanden sie nun ganzt\u00e4gig statt. In einigen St\u00e4dten wurden die \u00dcberwachungskameras in den Stadtzentren ausser Betrieb gesetzt. In Ahwaz und Teheran wurden die Flaggen des Regimes eingeholt. Die angewendeten vielf\u00e4ltigen Taktiken f\u00fchrten Mancherorts praktisch zur Schlie\u00dfung von Schulen, Universit\u00e4ten und Beh\u00f6rden.<\/p>\n<p>Der Hauptunterschied besteht jedoch in den angewendeten Formen und Methoden des Kampfes. Obwohl Demonstrationen die haupts\u00e4chliche Protestform bildeten, wurden sie von Angriffen\u00a0 auf Zentren der Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung des Regimes begleitet. Mehrere St\u00fctzpunkte der Revolutionsgarden, Polizei, Basij usw., religi\u00f6se Einrichtungen, Fahrzeuge der Polizei\u2026, Banken, Tankstellen usw. wurden in Brand gesetzt. Damit dr\u00fcckten die Protestierenden ihren tiefen Hass gegen das religi\u00f6se Regime und seine Zentren der Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung. Das spricht f\u00fcr die F\u00e4higkeit und das Bewusstsein der Massen, die enge Verbindung dieser Zentren mit den Repressionsorganen des Regimes zu erkennen. Die Massen dr\u00fcckten damit auch ihren Hass und Abneigung gegen die kapitalistische Ordnung und ihre Finanzzentren aus. Es herrschte eine offensive Mentalit\u00e4t. Die Konfrontation mit den Repressionsorganen und ihre Zur\u00fcckdr\u00e4ngung in einigen F\u00e4llen sind weitere Merkmale der j\u00fcngsten Proteste.<\/p>\n<p>Das vom Aufstand der Massen zutiefst erschrockene, reaktion\u00e4re Regime der islamischen Republik, unterdr\u00fcckte diese Proteste brutal. Khamenei bezeichnete die Protestierenden als &#8220;Schurken&#8221; und rief einen &#8220;Sicherheitskrieg&#8221; aus.<\/p>\n<p>Um die Protestbewegung ungehindert und intensiver unterdr\u00fccken zu k\u00f6nnen, wurde sie als vom Ausland gesteuert bezeichnet und dem ber\u00fcchtigsten Teil der Opposition der islamischen Republik zugeordnet.<\/p>\n<p>Mehr als 300 Demonstrant*Innen kamen in den ersten Tagen ums Leben. Es wurde gezielt auf den Kopf oder Brust der Protestierenden geschossen. Es gibt sehr viele Verletzte. Krankenh\u00e4user sind aufgefordert, &#8220;verd\u00e4chtige F\u00e4lle&#8221; zu melden. Es wird berichtet, dass Leichen nur gegen eine hohe Summe an die betroffenen Familien weitergegeben werden. Trauerfeiern sind untersagt worden. Es soll landesweit \u00fcber 10000 Festnahmen geben. Das ist zweimal so viel wie nach den Protesten vom Januar 2018.<\/p>\n<p>Alle Banden der Regierenden, vom F\u00fchrer der islamischen Republik bis zur Justiz, der Exekutive, dem Parlament, Leitern religi\u00f6ser Institutionen, Revolutionsgarden\u2026. drohen einstimmig die Festgenommenen mit der H\u00f6chststrafe und Hinrichtung.<\/p>\n<p>Die Internetverbindungen wurden gekappt, damit keine Informationen \u00fcber die Protestbewegung sowie ihre Unterdr\u00fcckung ins Ausland durchsickern. Nach diesem Schritt und der Versch\u00e4rfung der Unterdr\u00fcckung und Ermordung von DemonstrantInnen verk\u00fcndete die Regierung das Ende der Proteste.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die islamische Republik mag es geschafft haben, durch ma\u00dflose Gewalt und Brutalit\u00e4t, durch Ermordung von Hunderten, durch Festnahmen und Inhaftierung, einen Massenaufstand zu unterdr\u00fccken. Es besteht jedoch kein Zweifel, dass es neue und umfangreichere Proteste und Aufst\u00e4nde geben wird. Der Aufstand von Januar 2018 wurde brutal unterdr\u00fcckt, wir waren Zeugen der aktuellen Proteste. Der Grund daf\u00fcr liegt darin, dass die Ursachen dieser Proteste bestehen geblieben sind. Solange die anfangs beschriebenen Umst\u00e4nde existieren, sind Massenproteste und &#8211; aufst\u00e4nde unvermeidbar. Protestbewegungen, die sich stets einen Schritt weiterentwickeln.<\/p>\n<p>Wir stellen seit Januar 2018 fest, dass sich das politische Bewusstsein der Protestierenden gesteigert hat. Es nehmen viel mehr Menschen<\/p>\n<p>daran teil und es radikalisiert sich weiter.<\/p>\n<p>F\u00fcr die islamische Republik gibt es kein Entkommen. Sie kann sich weder vor dem Zorn der Arbeiter*Innen und Werkt\u00e4tigen, noch vor der Gefahr retten, von ihnen gest\u00fcrzt zu werden.<\/p>\n<p><strong><em>Artikel aus KAR Nummer 848, Organ der Organisation der Fadaian (Aghaliat), 25.11.2019<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Arbeit &#8211; Brot &#8211; Freiheit &#8211; R\u00e4teregierung<\/strong><\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<ol>\n<li>Haft Tapeh : Agroindustrieller Rohzucker Komplex in Provinz Khuzistan. Sie besteht seit 1961 und hat \u00fcber 5000 Besch\u00e4ftigte. Seit mehr als 13 Jahren k\u00e4mft die Belegschaft stets f\u00fcr ausstehende L\u00f6hne, Klarheit \u00fcber ihre Altersversorgung und dauerhafte Arbeitsvertr\u00e4ge. W\u00e4hrend ihres Streiks w\u00e4hlte die Belegschaft den &#8220;Unabh\u00e4ngigen Rst der Arbeiter*Innen von Haft Tapeh&#8221; in den die Vertreter einzelner Abteilungen gew\u00e4hlt 6.<\/li>\n<li>Foulad Ahwaz : Iran National Steel Industrial Group ist der gr\u00f6\u00dfte Stahlhersteller im Iran. Das Unternehmen wurde 1973 gegr\u00fcndet und verf\u00fcgt \u00fcber\u00a0 4000 Besch\u00e4ftigte. Sie wurde zuletzt 2017 privatisiert. Seitdem k\u00e4mpft die Belegschaft f\u00fcr ausstehende L\u00f6hne und gegen unsichere Arbeitsverh\u00e4ltnisse.<\/li>\n<li>HEPCO: Heavy Equipment Production Company ist das gr\u00f6\u00dfte Baumaschinenhersteller im Iran. Es besch\u00e4ftigt derzeit ca. 1500 Mitarbeiter*Innen. Es wurde gegr\u00fcndet im Jahre 1972. Die Belegschaft k\u00e4mpft f\u00fcr ausstehende L\u00f6hne und dauerhafte Arbeitsvertr\u00e4ge.<\/li>\n<li>AzarAb Industries, besteht seit 1989 und hat \u00fcber 2000 Besch\u00e4ftigte. Die Belegschaft k\u00e4mpft andauernd f\u00fcr ihre ausstehenden L\u00f6hne und sichere Arbeitsverh\u00e4ltnisse.<\/li>\n<\/ol>\n<\/div><\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Jahren befindet sich die iranische Gesellschaft in einem explosiven Zustand. 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