{"id":1568,"date":"2019-09-25T16:27:14","date_gmt":"2019-09-25T16:27:14","guid":{"rendered":"http:\/\/fedaian-minority.org\/?p=1568"},"modified":"2021-03-11T11:42:53","modified_gmt":"2021-03-11T11:42:53","slug":"die-klassenbewegung-der-iranischen-arbeiterinnen-im-vergangenen-jahr-ein-ruckblick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fedaian-minority.org\/index.php\/2019\/09\/25\/die-klassenbewegung-der-iranischen-arbeiterinnen-im-vergangenen-jahr-ein-ruckblick\/","title":{"rendered":"Die Klassenbewegung der iranischen Arbeiter*Innen im vergangenen Jahr, ein R\u00fcckblick"},"content":{"rendered":"<div style='padding-bottom:10px; font-size:36px;' class='av-special-heading av-special-heading-h3  blockquote modern-quote modern-centered  avia-builder-el-0  el_before_av_textblock  avia-builder-el-first   av-inherit-size '><h3 class='av-special-heading-tag '  itemprop=\"headline\"  >Die Klassenbewegung der iranischen Arbeiter*Innen im vergangenen Jahr, ein R\u00fcckblick<\/h3><div class='special-heading-border'><div class='special-heading-inner-border' ><\/div><\/div><\/div>\n<section class=\"av_textblock_section \"  itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/BlogPosting\" itemprop=\"blogPost\" ><div class='avia_textblock  '   itemprop=\"text\" ><p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1560\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/fedaian-minority.org\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/hepco-300x197.jpg?resize=300%2C197\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"197\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/fedaian-minority.org\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/hepco.jpg?resize=300%2C197&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/fedaian-minority.org\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/hepco.jpg?resize=450%2C296&amp;ssl=1 450w, https:\/\/i0.wp.com\/fedaian-minority.org\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/hepco.jpg?w=500&amp;ssl=1 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Die Arbeiterbewegung hat im vergangenen Jahr einen Aufschwung verzeichnet, der in den letzten Jahrzehnten und w\u00e4hrend des 40-j\u00e4hrigen Regierens der islamischen Republik beispiellos ist. Die Bewegung der Arbeiterklasse war nicht nur die einzige pulsierende und dynamische Bewegung, die permanent aktiv war. Sie \u00f6ffnete neue Perspektive f\u00fcr die Weiterentwicklung und Aufschwung der Bewegung der Arbeiterklasse. Sie gl\u00e4nzte wie eine leuchtende Fackel auf alle sozialen Bewegungen.<\/p>\n<p>Obwohl der wirtschaftliche Druck extrem schwer und unertr\u00e4glich war, konnte die Entwicklung und das Wachstum dieser Bewegung dadurch nicht beeintr\u00e4chtigt werden. Es ist allgemein bekannt, dass durch den rasanten Preisanstieg der grundlegenden Waren und das ungez\u00fcgelte Wachstum der Inflation die Kaufkraft der Arbeiter*Innen auf zweidrittel reduziert wurde. Diese schwere Belastung der Arbeiterklasse hat alle bisherigen Grenzen \u00fcberschritten und allen Arbeiter*Innen strengen Einschr\u00e4nkungen und der absoluten Armut ausgesetzt.<\/p>\n<p>Die Arbeiterbewegung hat trotzdem ihren Kampf nicht nur um \u00f6konomische Forderungen und den Lebensunterhalt, sondern auch um politische Forderungen unterstrichen und stellte die kapitalistische Ordnung insgesamt in Frage. Die Fortschritte dieser Bewegung ersch\u00fctterten die S\u00e4ulen der bestehenden Ordnung und ver\u00e4ngstigten die Herrschenden.<\/p>\n<p>Die herrschende Klasse und die ihre Interessen verteidigende Regierung haben aus Angst vor der Vertiefung und Ausweitung der Bewegung der Arbeiterklasse ihre brutale und barbarische Unterdr\u00fcckung auf ein Maximum ausgeweitet. Nebenbei hat das Regime verzweifelt versucht, die Einheit der Arbeiter*Innen zu untergraben und sie zu spalten. Trotzdem hat die Arbeiterbewegung im Jahre 1397[1] mehr denn je einen Aufw\u00e4rtstrend zu verzeichnen. Im Folgenden werden wir auf einige ihrer Besonderheiten eingehen.<\/p>\n<p>Die Anzahl der Arbeiterstreiks hat im vergangenen Jahr erneut zugelegt. Wiederholte, solidarische und langwierige Streiks von HEPCO [2], Foulad [3] und Haft Tapeh [4] sind ein Indikator f\u00fcrs wachende Bewusstsein und einen hohen Organisationsgrad der Arbeiter*Innen in diesen Betrieben. 30 bis 40 Tage ununterbrochener und einheitlicher Streik von mehreren Tausend Arbeiter*Innen ist kein leichtes Unterfangen.<\/p>\n<p>Solche Streiks sind selbst in L\u00e4ndern mit relativen politischen Freiheiten, in denen Arbeiter*Innen \u00fcber Streikrecht verf\u00fcgen, Streik- und Solidarit\u00e4tsfonds haben und in Gewerkschaften und anderen<br \/>\nBerufsverb\u00e4nden organisiert sind, selten und schwer zu organisieren.<\/p>\n<p>Es ist klar, dass ohne Organisation vom Streik keine Rede sein kann. Damit wird deutlich, dass die Arbeiterstreiks des vergangenen Jahres, vor allem die langfristigen, f\u00fcr eine starke Organisation und signifikantes Wachstum des Organisationsgrades der Arbeiter*Innen sprechen.<\/p>\n<p>Obwohl die Streiks und die Stilllegung der Produktion im vergangenen Jahr die wichtigste und h\u00e4ufigste Form des Arbeitskampfes darstellen, ergriffen die Arbeiter*Innen\u00a0f\u00fcr die Realisierungen ihrer Forderungen vielf\u00e4ltige Formen des Kampfes. Radikale und offensive Kampfformen der Arbeiter*Innen wie Kundgebungen, Demonstrationen sowie aufkl\u00e4rende und eindrucksvolle Reden der Delegierten h\u00e4uften sich an.<br \/>\nDemonstrationen wurden manchmal von der Sperrung der Stra\u00dfen und Bahnstrecken begleitet. Wichtige Kreuzungen und gro\u00dfe Pl\u00e4tze in den St\u00e4dten wurden stundenlang besetzt. In manchen Betrieben wurden die gelagerten Waren von Arbeiter*Innen beschlagnahmt. Sie lie\u00dfen nicht zu, dass diese Waren oder Produktionsmittel verlagert werden k\u00f6nnen. Bei einigen Versammlungen kam es zu Auseinandersetzungen. Es wurde in die Luft geschossen und Tr\u00e4nengas eingesetzt. Wir k\u00f6nnen deutlich sagen, dass sich die Kampfformen der Arbeiter*Innen generell radikalisiert haben.<\/p>\n<p>Die Radikalisierung der Kampfformen f\u00f6rderte die Kampfmoral der Arbeiter*Innen. Die Reihen der protestierenden Arbeiter*Innen, die zum offenen, direkten Kampf auch in den Stra\u00dfen \u00fcbergingen, wurden geschlossener. Die Kampfmoral ging so weit, so dass die Arbeiter*Innen das Freitagsgebet und \u201eheilige\u201c Zeremonien des Regimes in Protestkundgebungen gegen das Regime umwandelten.<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr hat die Bewegung der Arbeiterklasse auch politisch<br \/>\neine bedeutsame Entwicklung. Politische Slogans und Forderungen vermehrten sich und der politische und regierungsfeindliche Charakter des Kampfes der Arbeiterklasse wurde deutlicher. Die antikapitalistischen Aspekte gewannen in den Parolen und Banner an Bedeutung. W\u00e4hrend ihrer Streikes und Kampfes konnten die Arbeiter*Innen immer mehr feststellen, dass ihnen nicht nur ein einzelner Arbeitgeber und Kapitalist gegen\u00fcbersteht, sondern die gesamte Regierung, Beh\u00f6rden, Polizei und alle Sicherheitsorgane ihnen gegen\u00fcber und auf der Seite der Kapitalisten stehen.<\/p>\n<p>Der Charakter dieser Regierung wurde f\u00fcr sie deutlicher und sie stellten<br \/>\nfest, dass ihnen ein Block aus Kapitalisten und den H\u00fctern der kapitalistischen Ordnung gegen\u00fcbersteht. Die beeindruckenden K\u00e4mpfe der Arbeiter*Innen lehrte sie, dass sie sich als eine Klasse organisieren und f\u00fcr den Kampf gegen die herrschende Kapitalistenklasse vorbereiten und ausr\u00fcsten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Der politische Charakter des Kampfes der Arbeiterklasse, die aktive und<br \/>\neffektive Pr\u00e4senz der bewussten und fortschrittlichen Arbeiter*Innen, die<br \/>\naufkl\u00e4renden und spannenden antikapitalistischen Reden der Delegierten in den Versammlungen der Arbeiter*Innen von HEPCO, Foulad und Haft Tapeh beweisen die Tatsache, dass politisches Bewusstsein unter den Arbeiter*Innen ein bedeutsames Niveau erreicht hat und dass sich diese Arbeiter*Innen \u00fcber\u00a0den Charakter der kapitalistischen Ordnung und die Notwendigkeit des Kampfes f\u00fcr ihre Zerst\u00f6rung im Klaren sind.<\/p>\n<p>Das Jahr 1397 steht au\u00dferdem f\u00fcr die Verst\u00e4rkung des Geistes von Einheit<br \/>\nund Solidarit\u00e4t unter den Arbeiter*Innen. W\u00e4hrend dieses Jahres gab es<br \/>\nzahlreiche hinrei\u00dfende Momente der Einheit, Anteilnahme und Solidarit\u00e4t, die bislang in dieser Form selten waren. Das steht f\u00fcr die Einheit, eine tiefgreifende Klassensolidarit\u00e4t im landesweiten Ma\u00dfstab. Dadurch wurde die Kraft der Einheit, Solidarit\u00e4t und das Potential des Kampfes der Arbeiterklasse f\u00fcr den Kampf gegen die Kapitalistenklasse verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Auch die Pr\u00e4senz der Familien bei den Stra\u00dfenprotesten wurde ausgeweitet. Die Teilnahme der Frauen und Kinder an den Demonstrationen, das Tragen von Bannern und das Skandieren von Parolen zur Unterst\u00fctzung der Arbeiter*Innen trugen dazu bei, dass andere Gruppen von Werkt\u00e4tigen von Forderungen der Arbeiterklasse erfuhren. Das beeinflusste deren Solidarit\u00e4t erheblich. Noch wichtiger ist die Anwesenheit von Frauen als Rednerinnen und praktische Anf\u00fchrerinnen der Arbeiter*Innen. Die Arbeiterbewegung hat sich im Jahre 1397 soweit entwickelt, so dass einige Arbeiterinnen in der Rolle der praktischen Anf\u00fchrerinnen der Arbeiter*Innen auftraten. Damit brach das Monopol der m\u00e4nnlichen Redner zusammen. Haft Tapeh, die beim Kampf der Arbeiter*Innen eine f\u00fchrende Kraft war, \u00fcbernahm auch hierbei die F\u00fchrungsrolle.<\/p>\n<p>Ein weiteres wichtiges Ph\u00e4nomen war die Ausweitung von landesweiten<br \/>\nStreiks in den einzelnen Branchen. Neben der Ausweitung von Kundgebungen, Stra\u00dfenprotesten und Streiks in den einzelnen Betrieben, kam es in einigen F\u00e4llen auch zu landesweiten Streiks und Protesten in spezifischen Branchen. Dieser Prozess hatte vor einigen Jahren begonnen. Die Arbeiter*Innen in Petrochemie, Energiesektor, Telekommunikation und teilweise Steinkohleminen hatten mehrmals landesweite Streiks und Proteste organisiert. Als Beispiel k\u00f6nnen hier die Streiks der Besch\u00e4ftigten in den landwirtschaftlichen Versicherungsfonds, die Streiks des Transportwesens Persischer Golf zeitgleich in mehreren Provinzen angef\u00fchrt werden. Im Jahr 1397 gab es einige gro\u00dfe und landesweite Streiks der Eisenbahner. Das Arbeiter*Innen in den Bereichen Wartung, Instandsetzung und Technik, die aus 7000 Besch\u00e4ftigten bestehen, organisierten ihre landesweiten Proteste und Streiks. Au\u00dferdem ist der landesweite Streik von LKW-Fahrern und Truckern, die auf ca. 900000 Personen gesch\u00e4tzt werden, zu erw\u00e4hnen. In den vergangenen Jahren konnten wir eine vergleichbare Entwicklung nicht feststellen.<\/p>\n<p>Dieser \u00dcbergang von Streiks in einzelnen Betrieben zu landesweiten und<br \/>\nbranchenweiten Streiks spricht daf\u00fcr, dass die f\u00fchrenden Arbeiter*Innen einer Branche es geschafft haben, ein Netzwerk aufzubauen, unterschiedliche Organisationsformen f\u00fcr die Koordination (Komitees, R\u00e4te, etc.) ihres Kampfes und Forderungen, landesweite Streiks zu organisieren. Diese Organisationsformen oder Koordinierungsr\u00e4te in einigen Branchen wie Eisenbahn, LKW-Fahrern, Transportwesen usw. haben die Arbeiterklasse aus der Sicht der Organisation einige Schritte vorangebracht.<\/p>\n<p>Landesweite Streiks in einer Branche beg\u00fcnstigen auch die Voraussetzungen f\u00fcr Streiks in benachbarten und verwandten Branchen. Der Aufruf zum dritten landesweiten Streik von\u00a0LKW-Fahrern wurde von \u201eUnion der Koordinatoren der iranischen LKW-Fahrer\u201c ausgegeben. Diese dritte Streikwelle, die in der zweiten H\u00e4lfte von September begann, war wesentlich gr\u00f6\u00dfer als die vorausgegangenen Streiks und umfasste insgesamt 270 St\u00e4dte. Diesem Streik schlossen sich au\u00dferdem die Besch\u00e4ftigten der Passagierflotte Chuzestan, um die LKW-Fahrer zu unterst\u00fctzen. Die Fortsetzung und Ausweitung dieser Art von Streiks kann die Voraussetzungen f\u00fcr einen landesweiten politischen Generalstreik und Aufstand ebnen.<\/p>\n<p>Alle erw\u00e4hnten Trends und Besonderheiten sprechen auch einzeln f\u00fcr einen<br \/>\nAufschwung der Bewegung der Arbeiterklasse. In ihrer Gesamtheit bieten sie selbst den Feinden der Arbeiterklasse keinerlei M\u00f6glichkeit, diese Tatsache zu verleugnen. Trotzdem sind damit nicht alle Winkel und ein vollst\u00e4ndiges Gesicht der Arbeiterbewegung wiedergegeben. Als das Banner der R\u00e4te in Haft Tapeh entrollt wurde, als die unabh\u00e4ngigen Arbeiterr\u00e4te als Produkt ihres Kampfes entstanden, als der Ruf nach Arbeiterkontrolle \u00fcber die Produktion und Distribution in den Slogans der k\u00e4mpfenden Arbeiter*Innen von Haft Tapeh laut wurde, als der Ruf nach Kontrolle durch R\u00e4te landesweit ein Echo und Resonanz fand, dann wurde es klar, mit welchem Tempo sich die Arbeiterklasse vorw\u00e4rts bewegt und wie schnell sie alle Grenzen der bestehenden Ordnung zu \u00fcberschreiten in der Lage w\u00e4re, um sich f\u00fcr die gro\u00dfen Aufgaben vorzubereiten, die der Klassenkampf ihr \u00fcbertragen werden wird.<\/p>\n<p>Der Slogan \u201eBrot, Arbeit, Freiheit, R\u00e4tekontrolle\u201c, der zuerst von dem<br \/>\nf\u00fchrenden Teil der Arbeiter*Innen von Haft Tapeh formuliert wurde, konnte sich infolge ihres Kampfes das ganze Land erobern und \u00fcberall zum bestimmenden Slogan und Forderung aller Arbeiter*Innen und Werkt\u00e4tige werden. Die Arbeiterklasse setzte sich auch f\u00fcr die Forderungen anderer Werkt\u00e4tige ein, w\u00e4hrend sie ihren spezifischen Kampf f\u00fcr ihre Forderungen gegen die Kapitalistenklasse f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Der Slogan von Haft Tapeh erhielt ebenfalls die Zustimmung und<br \/>\nSolidarit\u00e4t von Lehrenden, Studierenden, Kranken- und Pflegekr\u00e4ften, Jugend, Frauen und Rentner*Innen. Ein B\u00fcndnis unter den Arbeiter*Innen und Werkt\u00e4tigen, die durch die F\u00fchrungsrolle der Arbeiter*Innen in Chuzestan zustande kam, ist ein kleines Beispiel f\u00fcr eine Entwicklung, die gesamtgesellschaftlich und landesweit passieren muss. Chuzestan wurde zum Leitbild der Arbeiter*Innen und Werkt\u00e4tige. Durch den Slogan R\u00e4te und beispiellose Einheit und Solidarit\u00e4t hat die Arbeiterklasse eine Perspektive gezeigt und ihre F\u00fchrungsrolle bei deren Realisierung unterstrichen.<\/p>\n<p>In vergangenen Jahren, vor allem Dezember 2017, haben Arbeiter*Innen,<br \/>\nArbeitslose, die Armen und alle Werkt\u00e4tige bei Stra\u00dfenprotesten und durch ihre Slogans konkret artikuliert, was sie nicht wollen. In den Parolen \u201eTod dem Diktator\u201c, \u201eTod dem Khamenei\u201c, \u201eNieder mit der islamischen Republik\u201c brachten sie genau zum Ausdruck, was sie nicht wollen! Die Frage, was sie konkret wollen, war nicht eindeutig klar. Diese Frage musste von der Arbeiterklasse beantwortet werden. Mit Courage beantwortete die Arbeiterklasse diese Frage eindeutig, in dem sie R\u00e4te als Alternative verbreitete und erschien als f\u00fchrende Kraft der Gesellschaft. Die Verbreitung von R\u00e4ten als Alternative zur islamischen Republik war sowohl in der Arbeiterbewegung sowie anderen sozialen Bewegungen beispiellos. Das brachte die Arbeiterbewegung Hunderte Schritte vorw\u00e4rts. In dem die Arbeiterklasse die R\u00e4te\u00a0als Alternative verk\u00fcndete, versetzte sie alle betr\u00fcgerischen und b\u00fcrgerlichen Alternativen ins Erstaunen, stellte ihre Relevanz in Frage und relativierte sie. Haft Tapeh warf sie alle durcheinander. Haft Tapeh bewies, dass nur die Arbeiterklasse eine Alternative sein kann. Eine Klasse, die mit klarer proletarischen Strategie und Taktik und mit deutlichen Slogans und Forderungen, mit aller Macht die Szene des Klassenkampes betreten hat. Haft Tapeh zeigte allen Freunden und Feinden der Arbeiterklasse, dass nur die Arbeiterklasse in der Lage ist, mit radikalen und revolution\u00e4ren Parolen und Forderungen\u00a0\u00a0 andere Werkt\u00e4tige unter ihrer roten Fahne zu versammeln und die ganze Gesellschaft von Armut und Elend zu befreien. Der Ruf nach Freiheit durch die Arbeiterklasse, der aus Chuzestan<br \/>\ndie ganze Gesellschaft erreichte, versetzte den verfaulten K\u00f6rper der herrschenden Ordnung in Todes\u00e4ngste, Angst und Schrecken \u00fcberzogen die<br \/>\nherrschende Klasse und ihr politisches Regime. Sie setzt nun alle ihre Mittel<br \/>\nund M\u00f6glichkeit daf\u00fcr ein, an der Arbeiterklasse Rache zu nehmen und die<br \/>\nArbeiterbewegung zu zerschlagen.<\/p>\n<p>Diese Analyse der Arbeiterbewegung im Jahr 1397 w\u00e4re unvollst\u00e4ndig, wenn wir die Versch\u00e4rfung der Unterdr\u00fcckungsma\u00dfnahmen und arbeiterfeindlichen Taktiken des Regimes gegen die Arbeiterklasse und ihre Aktivisten au\u00dfer Acht lassen w\u00fcrden. Jeder Streik und organisierter Protest wurde von der herrschenden Reaktion brutal unterdr\u00fcckt. An den ersten Tagen des Jahres 1397 wurden 20 Arbeiter*Innen von Haft Tapeh schriftlich verwarnt und m\u00fcssten vors Gericht erscheinen. 10 von ihnen wurden inhaftiert und einige andere wie Esmail Bakhshi Mitglied des Verwaltungsrates der Gewerkschaft der Arbeiter*Innen von Haft Tapeh erhielten Hausverbot.<\/p>\n<p>Um dem Streik ein Ende zu setzen, wurde das Fabrikgel\u00e4nde von Haft Tapeh von Spezialeinheiten besetzt. Zwangsweise wurden die Dampfkessel wieder hochgefahren. In den darauffolgenden Streiks wurde genauso verfahren. Es wurde weiterhin auf verschiedene Art und Weise Gewalt gegen die Streikenden angewendet. Im Juni 2018 wurde 35 Arbeiter*Innen von Haft Tapeh von der Justiz vorgeladen. Sie wurden verh\u00f6rt, bedroht und verurteilt. Ein weiteres Mal wurden 70 Arbeiter*Innen festgenommen, verh\u00f6rt und verurteilt. Alle diese Verh\u00f6rprozesse wurden von Drohungen und teilweise Anwendung von physischer Gewalt gegen die Streikenden begleitet. Der Streik und die Demonstrationen von Oktober \/ November 2018 wurden wesentlich brutaler unterdr\u00fcckt. Beim brutalen \u00dcbergriff der Sondereinheiten wurden 18 Arbeiter*Innen und eine Journalistin festgenommen und inhaftiert. Diese Festnahme hat dazu gef\u00fchrt, dass Esmail Bakhshi und Sepideh Gholian w\u00e4hrend ihrer Haft und Verh\u00f6rs k\u00f6rperlich und psychisch misshandelt wurden. Esmail Bakhshi wurde sehr brutal gefoltert. Ebenfalls Ali Nejati, langj\u00e4hriges Mitglied des Verwaltungsrates der Gewerkschaft von Haft Tapeh wurde festgenommen und inhaftiert. Er wurde ebenfalls k\u00f6rperlicher und psychischer Folter ausgesetzt.<\/p>\n<p>Auch in Foulad Ahwaz wurden viele Arbeiter*Innen mehrfach vorgeladen und verh\u00f6rt. Am 02. Juni 2018 haben die Sondereinheiten zahlreiche Arbeiter*Innen verhaftet. Ihre Zahl erh\u00f6hte sich binnen zwei Tagen auf 60 Inhaftierte. Beim Einsatz dieser Sondereinheiten in der Nacht von 16. Dezember 2018 wurden zig Arbeiter*Innen festgenommen. Am 18. Dezember erh\u00f6hte sich die Zahl der Festgenommenen auf 43\u00a0Arbeiter*Innen.<\/p>\n<p>In HEPCO sind ebenfalls die Arbeiter*Innen mehrfach vorgeladen und<br \/>\nverh\u00f6rt worden. 15 Aktivisten der Streiks wurden von der zweiten Instanz des Strafgerichtshofs in der Stadt Arak verurteilt. Sie wurden zu Haftstrafen zwischen 6 Monaten und einem Jahr sowie jeweils 74 Peitschenhiebe verurteilt.<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr (1397) wurde die Einsch\u00fcchterung, Verfolgung und<br \/>\nRepression gegen die f\u00fchrenden Arbeiter*Innen und Gewerkschaftsaktivisten versch\u00e4rft. In November 2018 wurde das Urteil gegen Ebrahim Madadi von Revisionsgericht best\u00e4tigt. Er ist Mitglied des Verwaltungsrates der Gewerkschaft der Arbeiter*Innen der Busunternehmen von Teheran und Umgebung. Er wurde zu 5 Jahren und 3 Monaten Haft verurteilt. Auch die LKW-Fahrer wurden nicht verschont. Um den Fortschritt ihrer Bewegung zu verhindern, wurden sie w\u00e4hrend ihrer dritten Streikwelle on Generalstaatsanwalt der islamischen Republik zu Banditen erkl\u00e4rt und bedroht, hingerichtet zu werden. Die Verfolgung, Bedrohung, Einsch\u00fcchterung gegen sie wurden versch\u00e4rft. Um ein \u00dcbergreifen der Streiks auf das gesamte Transportwesen, Personenbef\u00f6rderung, Eisenbahn etc. zu unterbinden, wurden Hunderte LKW-Fahrer in vielen St\u00e4dten festgenommen und inhaftiert.<\/p>\n<p>Das sind nur einige Beispiele f\u00fcr die Versch\u00e4rfung der Unterdr\u00fcckung und<br \/>\nGewaltanwendung gegen die Arbeiter*Innen. Das gen\u00fcgte der herrschenden Klasse nicht. Repressalien, Versch\u00e4rfung von Unterdr\u00fcckung und Brutalit\u00e4t gegen bewusste Arbeiter*Innen und Aktivisten der Streiks beschr\u00e4nkte sich nicht nur auf ihre Vorladung, Festnahme, Verh\u00f6r und Folter. Vielmehr begannen das Informationsministerium und andere Beh\u00f6rden, um unabh\u00e4ngige Arbeiterorganisationen zu isolieren und aufzul\u00f6sen damit, sich gegen sie zu verschw\u00f6ren. Nach einem Jahrzehnt Repression, systematische Unterdr\u00fcckung gegen die Gewerkschaft der Arbeiter*Innen der Busunternehmen von Teheran und Umgebung, w\u00e4hrend ihre Aktivisten vorgeladen und zu langj\u00e4hrigen Haft verurteilt wurden, was nicht zum vom Regime erhofften Zusammenbruch der Gewerkschaft f\u00fchrte, gab es eine neue Verschw\u00f6rung gegen sie. Das Regime hat versucht eine eigene treue Gewerkschaft zu gr\u00fcnden. Die Wachsamkeit der Gewerkschaft und ihre Mitglieder schlug dieses Vorhaben fehl. Die Arbeiter*Innen der Busgesellschaften stand geschlossen hinter ihrer unabh\u00e4ngigen Gewerkschaft.<br \/>\nIhre Antwort f\u00fcr die Verschw\u00f6rer war hartn\u00e4ckig und bleibend. Das Vorhaben des Informationsministeriums endete in Desaster. Sie wurden entlarvt. Hierbei wurden auch einige falsche Unterst\u00fctzer der Arbeiterklasse entlarvt und vorgef\u00fchrt. Es ging sowohl um die, die bei der Planung und Umsetzung dieser Verschw\u00f6rung mitwirkten sowie auch diejenigen, die durch ihr Schweigen und angebliche Unparteilichkeit in der Tat diese Verschw\u00f6rung unterst\u00fctzten. Diese Niederlage der Verschw\u00f6rer spricht daf\u00fcr, dass die Arbeiter*Innen und ihre Klassenbewegung ein Niveau erreicht haben, sodass sie gegen solche Intrigen und Verschw\u00f6rungen stehen und ihre unabh\u00e4ngige Organisation und Aktivisten unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Im Jahre 1397 gab es ebenfalls in Haft Tapeh viele Versuche, einen Keil<br \/>\nzwischen den Arbeiter*Innen und dem Verwaltungsrat der Gewerkschaft zu ziehen und sie zu entzweien. Es wurde ebenfalls ein islamischer Rat gegr\u00fcndet. Es wurde jedes erdenkliche Mittel eingesetzt, um dieses Ziel zu verwirklichen, Einsch\u00fcchterung,\u00a0Drohung, Bestechung etc. \u00dcberall sind diese Versuche aufgeflogen und von Arbeiter*Innen neutralisiert. Die Arbeiter*Innen von Haft Tapeh haben geschlossen den islamischen Rat boykottiert. Ein Arbeitervertreter von Foulad Ahwaz verwies auf dieses schmutzige Spiel der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung und ihrer Helfershelfer mit dem Hinweis: \u201eEuer gr\u00f6\u00dfter Fehler war die Annahme, ihr k\u00f6nnt unsere Reihen brechen, wir sind nicht k\u00e4uflich\u201c.<\/p>\n<p>Der Kampf der Arbeiter*Innen und darunter auch Esmail Bakhshi lie\u00dfen eine gro\u00dfe Narbe f\u00fcr die herrschende Klasse zur\u00fcck. Um die Moral der Inhaftierten und Gefolterten zu zerst\u00f6ren, wurden Diffamierung und Rufmord gegen sie auf die Tagesordnung gesetzt. Besonders betroffen war Esmail Bakhshi als Mitglied des unabh\u00e4ngigen Rates der Arbeiter*Innen von Haft Tapeh. Gegen ihn wurde ein \u201eDokumentarfilm\u201c produziert, in dem er ein wertloses und unter Folter erzwungenes Gest\u00e4ndnis vorlesen musste. Die herrschende Klasse und das politische Regime, das ihre Interessen verteidigt, glaubten, sie k\u00f6nnten damit die Arbeiter*Innen, die das Banner der R\u00e4te anhoben und eine Alternative zur jetzigen Regierung publik machten, einzusch\u00fcchtern und zu verdr\u00e4ngen. Das schlug aber fehl und wurde entlarvt. Der Slogan \u201e<em>Dokumentarfilm, Folter haben keine Wirkung mehr<\/em>\u201c war die Antwort von Arbeiter*Innen und der Allgemeinheit auf diese Geschmacklosigkeit und schon im Vorfeld gescheiterten Plan des Informationsministeriums. Der Fortschrittsprozess der Bewegung der Arbeiterklasse kann mit solchen Tricks nicht gestoppt werden. Es ist auch nicht mehr m\u00f6glich, diese auf die Zeit, bevor die R\u00e4te als Alternative artikuliert wurden, zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Die Arbeiterbewegung erfuhr im Jahre 1397 einen neuen Aufschwung. Die Bewegung der Arbeiterklasse war die einzige Bewegung, die die gesamte herrschende Ordnung herausforderte und ihr die R\u00e4te als Alternative besonders der Arbeiterklasse entgegensetzte. Wir k\u00f6nnen definitiv sagen, dass die Arbeiterbewegung im Jahre 1397 mehr als 10 Jahre fortschritte. Sie sammelte gro\u00dfe Erfahrung und mit dieser Erfahrung und stolzen Errungenschaften im Gep\u00e4ck beging sie das neue Jahr 1398.<\/p>\n<p>1<sup>.<\/sup> Das iranische Jahr beginnt mit dem kalendarischen Fr\u00fchlingsanfang. Aktuell schreiben wir das Jahr 1398.<\/p>\n<p>2. Hepco Arak: Heavy Equipment Production Company ist das gr\u00f6\u00dfte Baumaschinenhersteller im Iran. Es besch\u00e4ftigt aktuell ca. 1500 Mitarbeiter*Innen (ca. 7000 Besch\u00e4ftigte sind im Zuge der Privatisierung entlassen worden). Das Unternehmen besteht seit 1972. Die Besch\u00e4ftigten protestieren und streiken f\u00fcr unbezahlten Lohn und f\u00fcr dauerhafte Arbeitsvertr\u00e4ge.<\/p>\n<p>3. Foulad Ahwaz: Iran National Steel Industrial Group (INSIG) ist der gr\u00f6\u00dfte Stahlhersteller im Iran. Das Unternehmen wurde im Jahr 1973 gegr\u00fcndet. Das Unternehmen besch\u00e4ftigt ca. 4000 Stahlarbeiter. Die letzte Privatisierung fand im Jahre 2017 statt. Seitdem k\u00e4mpfen die Besch\u00e4ftigten st\u00e4ndig f\u00fcr ausstehende L\u00f6hne und unsichere Arbeitsverh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p>4. Haft Tapeh: Der Agro-Industrielle Rohrzuckerkomplex von Haft Tapeh wurde im Jahre 1961 in Betrieb genommen. Das Unternehmen besch\u00e4ftigt ca. 5000 Arbeiter*Innen. Seit nunmehr als 13 Jahren k\u00e4mpft die Belegschaft stets f\u00fcr ausstehende L\u00f6hne, Klarheit \u00fcber ihre Rentenversicherung, dauerhafte Arbeitsvertr\u00e4ge etc. W\u00e4hrend ihres Streiks haben die Besch\u00e4ftigten einen \u201eUnabh\u00e4ngigen Rat der Arbeiter*Innen von Haft Tapeh\u201c gegr\u00fcndet, in dem die Vertreter einzelner Abteilungen gew\u00e4hlt wurden.<\/p>\n<\/div><\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Arbeiterbewegung hat im vergangenen Jahr einen Aufschwung verzeichnet, der in den letzten Jahrzehnten und w\u00e4hrend des 40-j\u00e4hrigen Regierens der islamischen Republik beispiellos ist.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1560,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[53],"tags":[],"class_list":["post-1568","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kar_de"],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/fedaian-minority.org\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/hepco.jpg?fit=500%2C329&ssl=1","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/fedaian-minority.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1568","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/fedaian-minority.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/fedaian-minority.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fedaian-minority.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fedaian-minority.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1568"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/fedaian-minority.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1568\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fedaian-minority.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1560"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/fedaian-minority.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1568"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/fedaian-minority.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1568"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/fedaian-minority.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1568"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}